Joris Bas Backer & Peer Jongeling

Wo gibt es Raum für die ruhigeren queeren Stimmen, die leisen Töne, Graustufen, Zwischenwelten? Es scheint ein gutes Jahr für Comics mit Trans*themen abseits gängiger Vorstellungen zu sein. Aber darf das auch ein "Trend" sein? Welch unterschiedliche Ansätze da möglich sind, zeigen Peer Jongeling und Joris Bas Backer. Beide haben ihr jüngstes Werk im Jaja Verlag veröffentlicht. Peer zeigt beispielhafte Alltagsgeschichten in "Hattest Du eigentlich schon die Operation?" - darunter eben diese Frage und andere, denen Trans*personen oft ausgesetzt sind. Dabei wollte Peer unterhalten und aufklären zugleich, und das gelingt, ohne belehrend zu sein.

Joris dagegen hat mit "Küsse für Jet" eine Graphic Novel vorgelegt, die das Erwachsenwerden und Erkennen der eigenen Geschlechtlichkeit thematisiert. Seine Hauptfigur Jet wird anfangs als Mädchen gelesen, inzwischen würde er auch für sie eher männliche Pronomen wählen. Die Geschichte spielt in den 90er Jahren, beeinflusst durch den Tod von Kurt Cobain und andere Musik der Zeit. Coming-of-age und Coming-out wird hier zu "Coming-of-gender".

Belgien- und Niederlande-Freund Markus Pfalzgraf spricht mit Joris Bas Backer und Peer Jongeling zwischen Berlin und Brüssel aber auch über den Stand der Trans*themen bei Verlagen, Zeichner*innen und Lesenden. Die beiden begründen, warum heute andere Geschichten erzählt werden als noch vor ein paar Jahren. Und schauen genau hin, ob Geschichten auch authentisch von "original voices" erzählt werden.

Wer außerdem wissen will, was all dies mit Nirvana, Pearl Jam oder obskuren Bands aus Belgien zu tun hat, sollte unbedingt dieses Video sehen.

Und wer nachlesen möchte, was Lara Keilbart im Tagesspiegel über "Küsse für Jet" geschrieben hat, mit dem schönen Zitat von Hannah Gadsby ("Where are the quiet queers supposed to go?"), klickt hier hin: https://www.tagesspiegel.de/kultur/co...